Geschichtsschreibung

Schindlers Liste

Schindlers Liste

Spätestens seit Steven Spielbergs Film Schindlers Liste ist der Name Oskar Schindler einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch was ist mit seiner Frau Emilie Schindler? Welche Rolle spielte sie bei der Rettung von 1200 Juden vor dem sicheren Tod?

Über Frauen, die in der Zeit des Nationalsozialismus Widerstand leisteten, ist wenig bekannt. Das liegt auch daran, dass sie oft im Verborgenen wirkten. Außerdem war es damals üblich, die männliche Sichtweise zu schildern und nicht die Taten oder Überlieferungen von Frauen.

Emilie Schindler

Emilie Schindler wurde 1907 in Mähren, der heutigen Tschechischen Republik, geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie auf einem großen Gutshof.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde ihr Vater eingezogen. Vier Jahre später kehrte er traumatisiert aus den Schützengräben zurück. Emilie pflegte ihn. Trost fand sie in dieser Zeit in der Natur.

Ihre große Liebe

Eines Tages kam ein Mann mit seinem Sohn auf den Hof. Der Sohn war Oskar Schindler. Emilie verliebte sich in ihn und heiratete ihn einige Monate später trotz der Warnungen ihrer Eltern, er sei ein Schürzenjäger.

Die beträchtliche Mitgift, die Emilie mit in die Ehe brachte, wurde von ihrem Mann mehr schlecht als recht verwaltet. Bald war alles aufgebraucht. Doch Emilie sorgte für Nachschub und bekam von ihren Eltern noch mehr Geld.

Rettung von Juden

Um sich einen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen, ließ sich Oskar Schindler als Spion der NSDAP anwerben. Es gelang ihm, eine Fabrik in Krakau zu pachten, in der er fortan Töpfe und Pfannen für die Wehrmacht herstellen ließ. Es war ein überaus lukratives Geschäft, der Krieg machte ihn reich.

Die Fabrik wurde auch zu einer Insel der Hoffnung für Juden, die dort Arbeit fanden. Als der Befehl kam, die Fabrik zu schließen, was die Deportation der Arbeiter in Konzentrationslager bedeutet hätte, setzten Emilie und Oskar alles daran, die Fabrik zu verlegen. Wie durch ein Wunder gelang dies. Emilie leitete die verlagerte Fabrik weitgehend allein. Sie freundete sich auch mit den Frauen der SS-Offiziere an, was ihr und ihrem Vorhaben half.

Mut & Entschlossenheit

Mehr als einmal bewies Emilie Schindler besonderen Mut bei der Rettung von Juden. Im Januar 1945 wurden in Auschwitz Waggons mit Juden beladen. Ihr Ziel war ungewiss. Tagelang standen sie in der Kälte, in der Nähe der Fabrik der Schindlers. Dann erfuhr Emilie Schindler, dass ein Zug in der Nähe der Fabrik stand, Juden bräuchten ihre Hilfe.

Entschlossen ließ sie sich zum Zug führen. Dort erklärte sie der SS, dass sie dringend Häftlinge in der Fabrik brauche. Jede Hand zähle. Sie konnte sie überzeugen und brachte die Überlebenden in die Fabrik. Dort ließ sie ein Lazarett einrichten und versorgte sie.

Vergessenheit & späte Ehre

Nach Kriegsende gingen die Schindlers 1949 mit jüdischer Hilfe nach Argentinien. Doch bald verließ ihr Mann sie und hinterließ ihr einen Berg von Schulden. Emilie zog sich mehr und mehr zurück.

Erst als 1993 der Spielfilm Schindlers Liste in die Kinos kam, erinnerte man sich wieder an sie. Ab 1994 erhielt sie zahlreiche Preise für ihren Mut und ihr Engagement.

Literaturhinweise:

  • Schindler, Emilie & Erika Rosenberg. 2001. Ich, Emilie Schindler: Erinnerungen einer Unbeugsamen. Herbig.
  • Schindler, Emilie, Erika Rosenberg & Elisabeth Brilke. 1997. In Schindlers Schatten: Emilie Schindler erzählt ihre Geschichte. Kiepenheuer & Witsch.